Von eigenen Gnaden

Die Vision

Die Vision

Nach reiflicher Überlegung entschließt sich Tarmor seine Reise über Land fortzusetzen. Die Chancen, dabei Hinweise auf den Verbleib des ewigen Lichtes oder der Saat Blakharaz’ zu finden erscheinen ihm ungleich größer, als bei einer Seereise, die ihm nach den Ereignissen der vergangenen Tage auch unverhältnismaßig gefährlich und langwierig erscheint. Kurzerhand schließen sich Lasse und Squeech dem Praioten an, und gemeinsam machen sich die Drei auf den Weg nach Süden. Seltsamerweise fühlt sich Tarmor mit jeder Meile zurückgelegten Weges unwohler, bis sich schließlich eines Nachts unweit von Bomed ein Zwischenfall ereignet: Lasse und Squeech schlafen den Schlaf der Gerechten, während der wachende Tarmor wie so oft in den letzten Monaten die ihm von der Praioskirche überlassene Quanione in der Hand hält und intensiv betrachtet. Müde von der langen Tagesreise glaubt Tarmor zu Anfang, seine Augen spielten ihm einen Streich, doch dann wird das Leuchten, das von der ebenmäßigen Blüte ausgeht stärker. Immer heller wird das Licht, das bald den gesamten Lagerplatz hell erleuchtet. Geblendet und doch fasziniert kann Tarmor die Augen nicht abwenden, und bald schon glaubt er im gleißenden Licht unscharfe Bewegungen zu erkennen. Immer deutlicher werden die Bilder vor seinen Augen, bis er staunend die Orte seiner Jugend erkennt: Burg die Baronie Harkenwold mit dem beschaulichen Marktflecken Allbrücke, die alte Burg Harkwold die sich schützend über dem grünen Tal erhebt, und den magischen Hain des Druiden Dreitann inmitten der uralten Wälder. Alles scheint wie in Tarmors Kindheit, als er und seine Freunden nur mit Holzschwertern bewaffnet so manche Jungfrau aus den Klauen schwarzbärtiger Räuber retteten, und ungezählte Drachen auf ihren glitzernden Horten erschlugen. Die Bauern und Handwerker gehen ihrem Tagwerk nach, der Vogt des Barons bespricht sich auf dem kleinen Marktplatz mit den Ältesten und die Waschweiber laufen schimpfend den Kindern hinterher die ihre zum Bleichen ausgelegte Wäsche in Unordnung gebracht haben. Mit einem wohligen Gefühl läßt Tarmor seinen Blick über dieses Idyll wandern, bis er den ungewöhnlich dunklen Himmel im Osten bemerkt. Ein Unwetter scheint heraufzuziehen – und es kommt schnell näher. Unwetter wald Zu schnell, wie Tarmor mit Schrecken feststellt. Die Dunkelheit überzieht den Landstrich und unnatürliche Blitze zucken aus dem grau-schwarzen Himmel hernieder. Unscharfe Gestalten erscheinen, und Tarmor kann nicht erkennen, ob sie aus den Wäldern hervorkommen oder sich aus der Dunkelheit heraus materialisieren. Das Unwetter wird stärker, und der Wind und der Regen schütteln Tarmors Körper. Immer heftiger zerren die Gewalten an dem Geweihten, der nun glaubt Stimmen zu hören. Lauter werden die Stimmen während das Bild vor seinen Augen verblasst.
Als Tarmor die Augen öffnet erkennt er Lasse, der wild an ihm herumrüttelt. Squeech tanzt immer wieder laut “Squeeech” rufend um die beiden herum. Es dauert einige Augenblicke, bis Tarmor wieder in der Realität angekommen ist – und auch, bis Squeech sich wieder beruhigt hat.
Der Praiosgeweihte ist sich sicher, eine göttliche Vision seines alveranischen Herren empfangen zu haben. Er zweifelt keinen Augenblick daran das diese ihn zurück in seine Heimat, die Wildermark führen soll. Zwar ist sich Tarmor nicht wirklich über den Grund im Klaren und auch die Unterredung mit seinen beiden Gefährten bringt ihn nicht wirklich weiter. Klar ist nur, das der Wildermark Gefahr droht und das er sich unverzüglich dorthin aufmachen soll.
Da nach einer solchen Nacht ohnehin nicht mehr an Schlaf zu denken ist machen sich die Drei unverzüglich auf den Weg. Nur nicht nach Süden, sondern ab jetzt nach Osten.

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Praesi Praesi

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