Von eigenen Gnaden

Ein stiller Abschied

Ein stiller Abschied

Tarmor folgt Praiodan zurück in den Praiostempel. An dem Misstrauen seines Geweihtenkollegen stört er sich nicht wirklich. Als er die Schwelle zum Temple überschreitet fühlt er sich erleichtert. Und nochmals fällt eine Last von ihm ab, als er das Sanctum betritt. Danach verbringt er noch einige Zeit im dankbaren Gebet an seinen Gott. Zwar spürt er nicht wie früher den innigen Kontakt zum Herrn Praios, doch das Gebet an sich und das Wohlbefinden, das er hier im Tempel spürt, erfüllen ihn mit Zuversicht. Zufrieden legt er sich danach zur Ruhe.
Squeech und Grimmar erreichen schon bald den Tempel des Angrosch, den sogenannten Feuerturm. Durch ein großes, eisenbeschlagenes und doppelflügeliges Tor betreten sie das Innere des ausdunkelroten Ziegeln erbauten Turms. Squeech erblickt eine riesige Feuerstelle in der Mitte des Bauwerks. Bestimmt zehn Schritt misst sie im Durchmesser, und wohl ebenso hoch schlagen die roten Flammen aus ihr nach oben.
Grimmar lässt Squeech eineige Momente der Bewunderung für diesen Anblick. Dann entschuldigt sich der Angroschim. Nach diesem Tag habe er noch wichtige Dinge zu erledigen. Er winkt einen Zwerg namens Golbrax heran, der von der anderen Seite des riesigen Feuerbeckens herübergestapft kommt und weist ihn an, dem Gast Squeech hilfreich zur Seite zu stehen und ihn in seine Kammer zu führen. Damit verabschiedet sich Grimmar, und verschwindet in den Tiefen des Tempels. Begleitet von Golbrax umrundet Squeech das Feuerbecken. Seine Versuche, den Zwerg in ein lockeres Gespräch zu verwickeln schlagen jedoch fehl. Auch zu dem Drachenkarfunkel fällt dem Angroschim nicht mehr ein, als “das Echsending mit dem Hammer in tausend Teile zu schlagen”. Squeech lässt sich also zu seiner Kammer bringen. Mit Erstaunen stellt er fest, dass der Tempel sich zum weitaus grössten Teil unterirdisch ausdehnt. Von einem senkrechten Schacht aus, in dem ein spiralförmiger Gang nach unten führt , zweigen immer wieder unterschiedlich große Gänge ab. In manchen brennen helle Fackeln, andere dagegen sind nur schwach oder gar nicht erleuchtet. In einigen herrscht reges Treiben, andere scheinen seit Jahren verlassen zu sein. Sicher führt Golbrax den seinen Gast durch die Katakomben bis sie schließlich Squeechs Unterkunft für die Nacht erreichen. Die Kammer ist überrachsend gut ausgestattet: eine steinerne Liege, die von ihrer Größe her perfekt zu dem Gast passt, und auf der sich ein ganzer Stapel Decken liegt. Ein Tisch mit Schemel, Schreibpapier, Tinte und Feder, sowie einer recht hellen Lampe finden sich an der gegenüberliegenden Wand. Squeech nimmt die Lampe vom Tisch und stellt sie am Kopfende der Liege ab. Vorsichtig öffnet er sein Gepäckbündel und holt die drei Bücher hervor, die er in Xeraans Bibliothek im Turm wahllos eingesteckt hatte. Er breitet einige der Decken auf der Liege aus, hockt sich im Schneidersitz und in eine weitere Decke eingewickelt darauf und beginnt, in den Büchern des Heptarchen zu blättern. Schon nache den ersten Seiten wird ihm klar, welch unbeschreiblich glückliches Händchen er bei der Auswahl der Bücher gehabt hat. Bei allen Dreien handelt es sich um äußerst seltene, teilweise als verschollen geltende Bücher, für deren Besitz viele Magier ihre rechte Hand geben würden. Zudem sind die Bücher mit einer Vielzahl an erläuternden und ergänzenden Kommentaren des Buckligen versehen, der als wahrer Meister der in den Büchern behandelten Magiebereiche galt: Transmutation, Illusion und Beherrschung. Nach zwei Stunden intensiver Beschäftigung mit seinen Schätzen kommt Squeech zu dem Schluss, das er mit genügend Zeit nahezu jede bekannte Thesis aus den behandelten Magiebereichen erlernen kann. Vorsichtig verstaut er die Bücher wieder in seinem Rucksack. Ungeahnte Möglichkeiten tun sich da für ihn auf. Doch wird er sicherlich viel Zeit für das Studium der Bücher benötigen. Zufrieden wickelt er sich in seine Decke und schläft alsbald erschöpft ein.
Junior hat sich im Hotel “Haus Drachenstein” einquartiert. Als Magier kann er gerne auf eine Übernachtung im Tempel des Praios verzichten – ebenso wie auf eine eher rustikale Nacht im Tempel des Ingerimm. Da trifft es sich, das das Haus Drachenstein nicht nur das beste Hotel Vallusas ist, sondern ein Teil davon gleichzeitig eine Ordensniederlassung des Ordo Sacer Draconis, sprich der Draconiter beherbergt. Hier findet Junior alles, um einen ausführlichen und qualifizierten Bericht über seine Erlebnisse seit der Teleportation durch Xeraan zu verfassen.
Nach getaner Arbeit kommt er bei einem ausgezeichneten Abendessen mit einigen Draconitern ins Gespräch. Hier erfährt er, dass noch vor dem ersten Tageslicht einige Ordensbrücder nach Festum aufbrechen werden, um den dortigen draconitischen Erzhort zu besuchen. Kurzerhand beschließt er, sich der Delegation anzuschließen, um von Festum aus mit dem Schiff wieder die Reise in die Heimat antreten zu können. Seine Arbeit ist getan, und es wird ihm große Ehre sein, seinen Kollegen und Vorgesetzten persönlich und aus allererster Hand vom Tode Xeraans unterrichten zu können. Er verfasst eine kurze Nachricht an seine beiden Freunde in der er seine Abreise erklärt und ihnen weiterhin alles Gute wünscht. Diese hinterlegt er beim Wirt. Anschließend macht er sein Gepäck für die Abreise am nächsten Morgen fertig, um danach noch einige Stunden Ruhe auf dem ausgezeichneten Bett zu finden.
Als die Praiosscheibe über dem Perlenmeer aufgeht ist Junior bereits mehr als zwei Wegstunden von Vallusa entfernt.

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Praesi Praesi

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