Von eigenen Gnaden

Ungleiche Freunde

Ungleiche Freunde

Es gibt noch viel zu besprechen. Bis tief in die Nacht hinein tauschen sich Squeech und Tarmor mit ihrem neuen Verbündeten aus. Grimmar erzählt von der Schmiede des Hasses, die er in seinen Visionen gesehen hat, doch weiss er nicht, wo diese liegt. Selbst ausgiebige Recherche in den verschiedenen Bibliotheken der Stadt hat zu keinerlei Ergebnis geführt. Klar scheint allerdings, dass die Schmiede des Hasses sich nicht in der dritten Sphäre befindet. Doch wo genau liegt sie? Und wie gelangt man dorthin?
Als der neue Tag bereits anbricht, und von der Stundenkerze auf Grimmars Schreibpult nur ein Stummel übrig geblieben ist, schlägt der Zwerg schließlich vor, einen seiner alten Freunde zu besuchen. Bisher habe er vermeiden wollen, Alkarin Faldarion – so der Name des Freundes – zu besuchen. Jetzt sei er jedoch derart ratlos, dass ihm nichts anderes mehr einfiele.
Faldarion, so erzählt der Angroschim, sei ein Halbelf der in den Wäldern des Bornlandes nördlich von Festum lebe. Zwar sei es ihm unangenehm, seinen recht sensiblen Freund Alkarin mit derartig unguten Nachrichten zu betrüben, doch wäre der Halbelf momentan sein einziger vertrauenswürdiger Ratgeber in dieser Sache. Zugegeben, ein wenig scheue er auch die unbequeme Reise, die sie erst mit dem Schiff nach Festum, und danach auf dem Pferd in die Wälder zwischen Born und Walsach führen werde.
Gesagt, getan.
Die drei Freunde einigen sich darauf, so schnell wie möglich aufzubrechen. Ausruhen könne man während der bevorstehenden Schiffspassage – obwohl Squeech den nervösen Gesichtsausdruck Grimmars bei diesen Worten erkennt. Jeder macht sich also daran, seine Siebensachen für die Reise zu packen, und noch die ein oder andere kleine Besorgung in der Stadt zu tätigen. Knapp zwei Stunden später besteigen die Gefährten im Hafen Vallusas die Kogge “Salzbraut”, die eine weitere Stunde später in Richtung Festum in See sticht.
Die Salzbraut macht gute Fahrt, und so taucht am nächsten Morgen bereits die Stadt Festum am Horizont auf. Für ein kleines Trinkgeld ist der Kapitän bereit, die Freunde mit einem Boot südlich der Stadt abzusetzen. Die Drei möchten möglichst wenig Aufsehen erregen. So ist es auch Grimmar alleine, der auf einem großen Bauernhof drei Pferde ersteht. Zwar ist der Gutsverwalter anfangs ein wenig skeptisch und neugierig, doch als Winterfaust einen ganzen Dukaten auf den vereinbarten Preis drauflegt lösen sich Skepsis und Neugier in einem breiten Lächeln auf.
Es folgen zwei Tage ereignisloser Reise durch den sommerlichen Bornwald. Immer tiefer dringen die Freunde in die unberührte Wildnis bis sie schließlich nicht mehr weit von der Roten Sichel entfernt sind. Dann haben sie ihr Ziel erreicht. Vor ihnen erstreckt sich eine wohl gut hundert Schritt durchmessende Lichtung, in deren Mitte sich eine Eiche von beinahe titanischer Größe erhebt. Tarmor schätzt, dass der Baum wohl mindestens hundert – eher jedoch hundertzwanzig Schritt hoch ist. Sein Blätterdach deckt die gesamte Lichtung ab, und doch ist die Lichtung hell vom Sonnenlicht erleuchtet. Die Blätter sind seltsam durchscheinend und glitzern in der Sonne wenn der leichte Wind durch sie hindurchfährt. Auf Weisung Grimmars steigen die Freunde von ihren Pferden ab und lassen sie am Rande der Lichtung grasend zurück Als sie sich der Eiche bis auf zehn Schritt genähert haben geschieht etwas seltsames: von einem Augenblick zum anderen steht plötzlich eine in weißen Bausch gekleidete Person vor ihnen. Sie scheint aus dem Stamm der Eiche herausgetreten zu sein, der jedoch genauso massiv wie vorher vor den Gefährten in die Höhe wächst. Zwar ist die Person nicht so groß wie Tarmor, jedoch ist die Größe für einen Menschen immer noch überdurchschnittlich. Deutlich erkennbar sind auch die spitzen Ohren ihres Gegenübers. Das muss Alkarin Faldarion sein.
Grimmar tritt lachend und mit geöffneten Armen auf den Halbelfen zu. Der tut es dem Zwerg gleich, und die beiden begrüßen sich aufs Herzlichste. Dann tritt Grimmar einen Schritt zur Seite und weist mit seiner Linken auf Squeech und Tarmor. “Alkarin, begrüße bitte auch meine beiden Freunde. Den zauberkundigen Drachentöter Squeech, und den Geweihten des Praios Tarmor von Ragath.”
Alkarin Faldarion nickt, tritt an Squeech heran und legt seine Hand auf dessen Schulter. “Ich begrüße Euch in meinem Hain, Drachentöter Squeech. Die Freunde von Grimmar sind auch meine Freunde!” Dann deutet er auf den Lederbeutel, den Squeech an seinem Gürtel trägt. “Einen hübschen Fokus tragt Ihr da bei Euch, Meister Squeech. Gebt gut auf ihn acht, er kann Euch noch nützlich sein.” Verdutzt legt Squeech seine Hand intuitiv auf den Lederbeutel, in dem er den Karfunkel von Xeraans Drachen bei sich trägt. Woher zum Henker weiß dieser Faldarion davon?
Der Halbelf ist unterdessen an Tarmor herangetreten, um auch ihn zu begrüßen. Als er ihm ebenfalls die Hand auf die Schulter legt zuckt er jedoch unwilkürlich zurück, so als habe er sich die Finger verbrannt. Seine Miene verfinstert sich und er tritt einen Schritt zurück. “Wer oder was seid Ihr, Tarmor von Ragth? Und was wollt Ihr in meinem Hain?” Der Halbelf wirkt eher beunruhigt als erbost.
“Ich bin ein treuer Diener des Herrn Praios, Meister Faldarion. Ich bin mit Squeech und Eurem Freund Grimmar in Euren Hain gekommen, weil wir uns wichtige Antworten auf unsere Fragen von Euch erhoffen.”
“Grimmar, ich hoffe du hast gute Gründe dafür, ihn in meinen Hain zu bringen!” spricht der Halbelf, der begonnen hat, den Praioten gemessenen Schrittes zu umrunden und genau in Augenschein zu nehmen. Als er genau hinter Tarmor steht hält er plötzlich inne. Wie gebannt starrt er auf den Rücken des Geweihten, als ob er zwischen den Schulterblättern etwas entdeckt hätte. Stirnrunzelnd schaut er dann Grimmar an.
“Das ist eine längere Geschichte, mein Freund! Wir werden sie Dir gerne erzählen. Auch verstehe ich Dein Misstrauen nur allzu gut. Doch lass mich Dir versichern, dass ich Tarmors Zustand im Feuerturm zu Vallusa eingehend geprüft habe. Es ist nicht alles so wie es scheint!”
Der Halbelf entspannt sich ein wenig. “Ich weiß um Deine Macht, mein Freund. Insbesondere, wenn Du im Feuerturm weilst. Nun denn, seid meine Gäste in meinem bescheidenen Heim.” Mit wenigen Schritten erreicht Alkarin Faldarion die weiße Eiche – und geht einfach in sie hinein. Im gleichen Augenblick hören die Neuankömmlinge auch schon Faldarions Stimme von oben, die sie anweist, sich an dem Seil, das gerade zu ihnen herunterfällt, festzuhalten. Das Seil ist sehr dünn, schon fast eher ein Faden. In regelmäßigen Abständen sind Schlingen hineingeknüpft, in die man Hände oder Füße stecken kann, um sich festzuhalten. Grimmar tritt in eine der Schlaufen, und als seine Hand das dünne Seil fest gegriffen hat wird er von unsichtbarer Hand sanft etwa zwei Schritt nach oben befördert, so dass Squeech sich als nächster festhalten kann. Zum Schluss folgt Tarmor. In etwa fünfzehn Schritt Höhe passieren sie den auf einem breiten Ast stehenden Alkarin, der anschließend wie schon zuvor einfach wieder in den Bumstamm hineintritt und verschwindet. Immer weiter geht es nach oben bis sie schließlich in etwa siebzig Schritt über dem Erdboden eine Art Terrasse vor Alkarin Faldarions Behausung erreichen.
Der Halbelf erwartet sie bereits hier oben.

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Praesi Praesi

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