Von eigenen Gnaden

Neuankömmling

Neuankömmling

Adran ist der Erste, der nach dem Ende des Kampfes zu seinen gefallenen Freunden Darrag und Ravron eilt. Leblos und von schweren Wunden gezeichnet liegen die beiden Körper auf dem Steinfußboden. Nachdem der Golgarit sich einige Augenblicke umgesehen hat legt er sin Schwert neben sich auf den Boden, geht dann auf die Knie und versinkt, die Augen geradeaus gerichtet, in stillem Gebet. Kurz darauf treten auch Tarmor und Squeech hinzu. Als auch sie sich in stiller Andacht von ihren Freunden verabschieden fällt ihnen auf, das der Golgarit sicht nicht den Leichen zuwendet oder sie gar anschaut: sein Blick ist starr auf den nur zwei Schritt entfernten Teppich an der Wand gerichtet. Squeech und Tarmor folgen dem Blick des Boroni – und zucken zusammen, als sie in dem alten Stoff des Teppichs die verzerrten Gesichter ihrer vor ihnen liegenden Freunde erkennen. Stumm und bewegungslos sind sie in den Teppich eingewebt. Doch wie kann das sein? Der Wandbehang muß ob seines Zustandes viele Jahrzehnte, vielleicht sogar Jahrhunderte alt sein. Die Farben sind verblichen, die Ränder und viele andere Stellen sind fadenscheing und zerschlissen. Und doch sind auf dem Knüpfwerk die zu Fratzen entstellten Gesichter ihrer Freunde deutlich zu erkennen, die erst vor wenigen Augenblicken hier an Ort und Stelle ihr Leben ausgehaucht haben.
In diesem Moment beschließt Adran sein Gebet und erhebt sich. Er wendet sich dem Hexer und dem Praioten zu. “Von hier an, meine Freunde, werdet ihr erst einmal alleine weiterziehen müssen. Wie ihr sicherlich schon erkannt habt, hat die unheilige Macht Thargunitoths die Seelen unserer Mitstreiter in ewigen Qualen in diesen Teppich gebannt. Meine erste Pflicht als Diener des Herrn Boron ist es dafür zu sorgen, das dieser Zustand nicht von Dauer ist. Ich muß es zumindest versuchen. Wir können ihre Seelen nicht einfach der Meisterin des Yak-Hai überlassen. Geht voraus und erkundet den weiteren Weg bis meine Gebete hier vollendet sind. Ich werde euch und, so die Zwölfe wollen, bald schon wieder eingeholt haben.”
“Wie lange wirst Du brauchen?” fragt Squeech “Auch wir haben eine kleine Rast bitter nötig!”
“Meine Gebete und Rituale werden mehr Zeit in Anspruch nehmen als eure Rast, Squeech. Ruht euch aus und zieht dann weiter. Ich werde jetzt mit den Gebeten beginnen. Bitte sprecht mich nicht an und stört auch sonst meine Konzentration nicht. Es erfordert viel Kraft, Thargunitoth die Seelen zu entreissen. Ich wünsche euch viel Glück! Auf bald!”.
“Auf bald!” antworten Tarmor und Squeech beinahe im Chor. Gleich darauf wendet Adran sich wieder den Bildern seiner Freunde im Teppich zu und versinkt in einer Art Trance, die er mit einem leisen, unverständlichen Singsang begleitet.
Einige Schritte abseits, an einer Stelle wo der Wandteppich bereits abgebrannt ist, lassen sich Squeech und Tarmor zu einer Rast nieder. Ihre kümmerlichen Essens- und Wasservorräte teilen sie, und versorgen notdürftig kleinere Wunden und überprüfen ihre inzwischen arg in Mitleidenschaft gezogene Ausrüstung. Squeech übernimmt die erste Wache, und gerade als Tarmor ein erholsames Nickerchen machen will dringt aus dem kleinen Vorraum, in dem die Wendeltreppe endet, ein heftiges Poltern und Klirren. Der Praiot zieht sogleich seine Waffe, und Squeech geht hinter einem der Tische in Deckung. Ein kurzes Stöhnen ist zu vernehmen, gefolgt von einigen heftigen Flüchen, die sich über das Dämmerlicht, die stinkende Luft, den Schmutz und überhaupt alles Mögliche beschweren. In die Feierhalle tritt ein schlanker Mann in einem weiten, weinroten Umhang, welcher das Langschwert am Gürtel nicht ganz verdeckt. Umhang, kniehohe Lederstiefel, feines Wams und das Langschwert mit feinem Parierkorb lassen selbst aus der Ferne auf einen reichen Mann schließen. Sich den Staub von Wams und Umhang klopfend schaut der Mann sich um, bis er den schwergerüsteten Tarmor mit seinem gezogenen Breitschwert am anderen Ende der Halle stehen sieht. “Ihr da!” ruft er herüber “Wer seid ihr? Und wo in Hesindes Namen sind wir hier?”
Bedächtig zieht er dabei das reich verzierte Langschwert aus der Scheide an seinem Gürtel. Bei der Nennung der Göttin Hesinde durch den Fremden entspannt sich Tarmor ein wenig. “Mein Name ist Tarmor von Ragath. Und nun steckt die Klinge weg und gebt euch selbst zu erkennen!”
Langsam nähert sich der Fremde. Das Schwert läßt er allerdings erst in die Scheide zurückgleiten, als nahe genug ist, um Tarmor als Praiosgeweihten identifizieren zu können. Vielleicht zehn Schritte ist der Fremde noch von Tarmor entfernt, als im Hintergrund Squeech auf den Tisch klettert, der ihm bisher als Deckung gedient hatte.
HINTERHALT! GOBLINS!” brüllt der Fremde aus voller Kehle, und aus seiner blitzschnell nach oben gerissenen Hand fährt eine rötlich-gelbe Feuerkugel auf den Hexer zu. Gerade noch rechtzeitig kann Squeech sich zur Seite werfen, und sieht wie das magische Geschoss hinter ihm auf einen der Teppiche trifft und diesen augenblicklich in Brand setzt. Einem erneuten Zauber kommt Tarmor glücklicherweise zuvor. “Haltet ein! Dies sind meine Gefährten!” ruft er, stellt sich zwischen Squeech und den Fremden und weist gleichzeitig auf den vor den leblosen Körpern Darrags und Ravrons knienden Adran. Der in Trance versunkene Golgarit hat weder die Ankunft noch den Zauber des Fremden bemerkt. “Nun kommt endlich zur Ruhe!” herrscht Tarmor in den Raum ohne jemand bestimmtes anzusprechen. “Stellt euch endlich vor, Mann, und erzählt was ihr hier zu schaffen habt.”
Der Neuankömmling stellt sich als Tamos Livian von Schwarzenborn der Jüngere vor, seines Zeichens Magier der weißen Akademie zu Kuslik, die sich der magischen Analyse und Hellsicht verschrieben hat. Ausladend erzählt er von seinem Auftrag, den er direkt von Saldor Foslarin, dem Vorsitzenden des Bundes des Weißen Pentagramms erhalten hat, nämlich den Schwarzmagier Xeraan zu jagen, zu stellen, und schlußendlich dingfest zu machen. Der Magier adeliger Abstammung spart während seines Berichtes nicht an Eitelkeiten und teilweise offener Überheblichkeit – insbesondere Squeech gegenüber. Nur mit Mühe gelingt es dem kleinen Hexer, dem Magier nicht kurzerhand eine kleine Kostprobe seiner eigenen Kräfte zuteil werden zu lassen. Vielmehr gelingt es ihm, dem feinen Herrn unbemerkt die Geldbörse vom Gürtel zu schneiden. Diese Trophäe lässt ihn die Arroganz des Magisters deutlich besser ertragen.
Nach dem Grund für sein Erscheinen hier befragt erzählt Tamos von seinen Studien und Nachforschungen über Xeraan im heimatlichen Kuslik, wo ihn eine dunkle Sphäre erfasst, und gewissermaßen hier wieder ausgespuckt habe. Etwas Ähnliches habe er nie vorher gesehen, und bis auf sein Gefühl, dass Xeraan der Urheber dieses Zaubers gewesen sein muss, kann er auch sonst nicht viel darüber berichten.
Als der Magier erfährt, dass die Freunde sich auf dem unterirdischen Weg nach Mendena – Xeraans “Amtssitz” – befinden, schließt er sich ihnen an.
Was bleibt ihm auch anderes übrig… .
Hdk red

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Zum Thema “How to make new friends” heute wieder unser allseits beliebter Gastdozent Squeech…!

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Praesi Praesi

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